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Der Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung

Vielen gesetzlich Krankenversicherten erscheint der Wechsel in eine private Krankenversicherung attraktiv: Sie möchten von besseren Leistungen und einer Vorzugsbehandlung in Arztpraxen profitieren. Der Weg in die private Krankenversicherung (PKV) ist allerdings nicht für jeden möglich und an Bedingungen geknüpft.

Welche Voraussetzungen müssen Arbeitnehmer erfüllen?

Nur Arbeitnehmer mit einem Mindesteinkommen, das über der sog. Versicherungspflichtgrenze liegt, können von der Versicherungspflicht befreit werden und von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die PKV wechseln. Sie liegt 2020 bei einem Brutto-Einkommen von jährlich 62.550 Euro und damit um 1.800 Euro höher als 2019. 2021 soll die Versicherungspflichtgrenze auf 64.350 Euro steigen. Ihre Höhe wird jährlich von der Bundesregierung angepasst und hängt von der durchschnittlichen Lohn- und Gehaltsentwicklung ab.

Für die Ermittlung des maßgeblichen Brutto-Jahreseinkommens wird nicht nur das monatliche Gehalt, sondern auch wiederkehrende Einmalzahlungen wie das Urlaubs- oder Weihnachtsgeld sowie Zuschläge herangezogen.

Das Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze darf allerdings kein einmaliges Ereignis sein. Es muss erwartet werden können, dass das Einkommen im laufenden Jahr ausreichend hoch sein und im Folgejahr die neue – und mutmaßlich höhere – Versicherungspflichtgrenze ebenfalls überschreiten werden wird.

Wer neu im Beruf ist, kann von einer Ausnahme profitieren: Im ersten Jahr muss das benötigte Einkommen noch nicht erreicht werden, im Folgejahr ist ein Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze jedoch ein Muss.

Wann können Selbstständige und Freiberufler in die PKV wechseln?

Selbstständige und Freiberufler unterliegen nicht der Versicherungspflicht und können sich deshalb auch dann, wenn sie freiwillig gesetzlich krankenversichert sind, grundsätzlich jederzeit für eine Mitgliedschaft in einer der privaten Krankenversicherungen entscheiden.

Sobald eine freiberufliche oder selbstständige Tätigkeit erstmalig hauptberuflich begonnen wird, ist eine Versicherung in der PKV ab diesem Zeitpunkt möglich. Schwieriger wird es bei einer nebenberuflich ausgeübten Tätigkeit: Hier haben Selbstständige und Freiberufler erst dann die Möglichkeit, frei zwischen der GKV und PKV zu wählen, wenn die selbständige / freiberufliche Tätigkeit überwiegt.

Es gibt jedoch Situationen, in denen der Wechsel zur PKV erschwert oder sogar verhindert wird:

  • Personen, die gem. Künstlersozialversicherungsgesetz als Publizisten oder Künstler arbeiten, müssen analog zu den Angestellten ebenfalls die Versicherungspflichtgrenze überschreiten, um sich privat krankenversichern zu können.
  • Sofern bei einer gesetzlichen Krankenkasse ein Wahltarif abgeschlossen wurde, muss dieser mindestens drei Jahre beibehalten werden. Nach Ablauf dieser Frist kann in die PKV gewechselt werden.

Auch das kommt vor: Wenn Beamte von der GKV in die PKV wechseln wollen

Nur sehr wenige Beamte sind freiwillig in der GKV versichert, da die meisten Dienstherren keinen Zuschuss zu den Versicherungsbeiträgen zahlen, sondern sich auf die Gewährung von beamtenrechtlicher Beihilfe beschränken. Beamte müssen daher nur anteilig für Versicherungsbeiträge in der privaten Krankenversicherung aufkommen, weshalb sich die meisten von ihnen für die PKV entscheiden. Aufgrund der Freiwilligkeit einer Mitgliedschaft in der GKV ist Beamten der Übertritt in die PKV jederzeit möglich. Das gilt auch für Beamte auf Widerruf (Anwärter).

Können auch Studenten in die private Krankenversicherung wechseln?

Studenten müssen sich innerhalb der ersten drei Monate nach ihrer erstmaligen Immatrikulation entscheiden, ob sie für den Rest ihrer Studienzeit in der GKV oder PKV versichert sein möchten. Im Regelfall ist eine Änderung danach nicht mehr möglich. Es gibt jedoch zwei Situationen, die von dieser Regel abweichen:

  • Für Studenten endet die Versicherungspflicht nach dem 14. Fachsemester oder dem Überschreiten des 30. Lebensjahres. Danach ist ein Wechsel in die PKV möglich.
  • Viele Studenten sind beitragsfrei in der Familienversicherung ihrer Eltern in der GKV mitversichert. Diese endet mit der Vollendung des 25. Lebensjahres. Danach können sie innerhalb von drei Monaten erneut zwischen der privaten und der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht wählen.

Formalien, die bei einem Wechsel eingehalten werden müssen

Die Kündigung der gesetzlichen Krankenversicherung erfolgt mit einer Frist von zwei Monaten zum Ende des übernächsten Monats. Beispiel: Wird die GKV am 15. Juni gekündigt, fängt die zweimonatige Frist am 1. Juli an, sodass der Wechsel zur PKV zum 1. September wirksam wird. Diese Frist muss vom Versicherten für den Nachweis genutzt werden, dass er künftig bei einem privaten Krankenversicherer versichert sein wird. Gelingt das nicht, bleibt die bisherige Mitgliedschaft bei der gesetzlichen Krankenkasse bestehen.

Versicherte, die als GKV-Mitglieder zum ersten Mal versicherungsfrei werden, kündigen nicht, sondern treten aus der GKV aus. Auch sie müssen eine Anschlussversicherung nachweisen, damit der Austritt wirksam wird. Zu diesem Personenkreis gehören

  • Versicherte, die zu Beamten auf Widerruf ernannt werden,
  • Selbstständige und Freiberufler, die ihre Tätigkeit erstmalig aufnehmen,
  • Studenten, die entweder das 14. Fachsemester oder das 30. Lebensjahr überschritten haben sowie
  • Arbeitnehmer, deren Einkommen am Jahresende die Versicherungspflichtgrenze überschreitet, sofern zum Jahresanfang die Versicherungsfreiheit beginnt.

Die Kündigung kann zwar formlos erfolgen, doch um Rechtssicherheit zu gewährleisten, sollte sie schriftlich verfasst und per Einschreiben zugestellt werden. Es muss aus dem Schreiben eindeutig hervorgehen, dass es sich bei ihm um eine Kündigung handelt. Innerhalb von zwei Wochen nach dem Eingang muss die Krankenkasse die Kündigung schriftlich bestätigen.

Ist der Wechsel in die private Krankenversicherung immer eine gute Entscheidung?

In der Regel gilt: Die Mitgliedschaft in der privaten Krankenversicherung sollte man sich leisten können, denn es gibt keine Familienversicherung und die Beiträge steigen im Laufe der Zeit an. Fachleute geben eine erste Entscheidungshilfe, indem sie auf diese Kriterien hinweisen:

  • Möglichst jung eintreten: Die Versicherer versuchen mit dem Bilden von Altersrückstellungen, ein zu starkes Ansteigen der Beiträge zu verhindern. Dieses Prinzip funktioniert am besten, wenn durch eine frühe Mitgliedschaft möglichst viel angespart werden kann. Wer beim Abschluss einer PKV 40 Jahre oder älter ist, sollte sich auf stärker steigende Beiträge gefasst machen.
  • Die Assekuranzen machen den Vertragsschluss vom Gesundheitszustand der Antragsteller abhängig. Hierzu wird vorab eine Gesundheitsprüfung durchgeführt. Anhand des Prüfungsergebnisses wird entschieden, ob Personen überhaupt versichert und falls ja, ob Risikozuschläge erhoben werden.
    Eine Ausnahme machen zahlreiche Versicherungsunternehmen bei Beamten und ihren Familienangehörigen: Die an der sog. freiwilligen Öffnung der PKV beteiligten Versicherer lehnen Mitgliedsanträge nicht ab, wenn bestimmte Fristen eingehalten werden. Nähere Informationen stellt der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) unter dem Link https://www.pkv.de/service/broschueren/verbraucher/oeffnungsaktion-der-pkv-fuer-beamte-und-angehoerige/
  • Wer eine Familie hat oder noch Kinder haben möchte, sollte noch genauer rechnen: Jedes Kind muss in der PKV einzeln versichert werden. Während der Elternzeit erhalten Arbeitnehmer von ihrem Arbeitgeber keinen Zuschuss zur Krankenversicherung mehr: Mit weniger Einkünften muss dann mehr Geld für die Beiträge aufgebracht werden.
  • Wer einen riskanten Beruf ausübt, muss damit rechnen, von der privaten Krankenversicherung nicht oder nur mit hohen Risikozuschlägen aufgenommen zu werden. Darüber hinaus gibt es Berufe, die wegen ihrer instabilen Einkommenssituation den Argwohn der Versicherer hervorrufen